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19. – 29. Mai 2027

Bundesordner 2026

An Themen fehlte es wahrlich nicht

Mit dem „Bundesordner 2025“ gelangte im vollbesetzten Stadttheater Olten ein hochaktueller Satire-Abend auf die Bühne, der Politik, Gesellschaft und Alltagskultur pointiert in Szene setzte. Mit einer Mischung aus Sketches, Einzelnummern, Musik und Wortakrobatik wurde dem vergangenen Jahr mit seinen Polykrisen, dem ausuferndem Populismus ein satirisches Denkmal gesetzt.

Gekonnt wurden immer wieder musikalische Beiträge eingestreut, sei es die Tatort-Melodie des im vergangenen Jahr verstorbenen Klaus Doldinger, „The Time Warp“ zum 40. Jubiläum der „Rocky Horror Picture Show“ oder „Killing me softly“ von Roberta Flack, welche uns ebenso im vergangenen Jahr verlassen hat. Wenn dann zum Schlussapplaus noch ein „Campari Soda“ gereicht wird, findet auch die Hommage an Dominique Greandjean ihren Platz, dessen Tod just an diesem Tag bekannt wurde.

Im Zentrum steht aber der „Bundesordner“ als Sinnbild für die Überdosis an Schlagzeilen, die unser Leben prägen: von Corona-Nachwirkungen über Ukraine- und Nahostkrieg, Rechtsruck in Europa bis hin zu Drohnenkrieg, Klimakrise und digitaler Überforderung. Immer wieder stellt sich das Ensemble die Frage, wie viel „Schlimm“ wir eigentlich noch ertragen wollen – und wo noch Platz bleibt für Humor.

Mit bissiger Lust an der Überzeichnung werden politische Figuren und Machtinszenierungen seziert: Friedrich Merz als selbstverliebter Kanzler, europäische Staatschefs im devoten Tänzchen um Donald Trump, James-Bond-Parodien mit Elon Musk als grössenwahnsinniger Strippenzieher. Daneben entlarven Szenen zu Monopoly, Erbschaften und Vermögenskonzentration die Logik eines Systems, in dem „die Reichen“ zur paradox bemitleidenswerten Minderheit erklärt werden, während alle anderen um Startkapital kämpfen. Reichtum ist doch auch nur eine Form einer nicht anerkannten Erbkrankheit… .

Besonders stark sind die Nummern, in denen das Globalpolitische ins Intime kippt: eine sprechende Mona Lisa, die sich nach Befreiung aus dem Louvre sehnt, eine Deutschlektion für die Generation 50+ mit den aktuellsten Jugendwörtern, einem Fussball-Sketch im 11/8 Takt zwischen Frauen-EM und Club-WM oder die Betrachtung einer Vertreterin der GenZ auf unsere heutige Welt und was man ihr hinterlässt.

Das Ensemble mit Anet Corti, Ben Kobi, Dominik Muheim, Fine Degen, Jess Jochimsen, Jovana Nikic, Kathrin Bosshard, Pascal Dussex und Uta Köbernick überzeugt während eines Abends mit einem wahren Feuerwerk an Ideenreichtum. Ob zu hoffen bleibt, dass das Jahr 2026 ebenfalls zu einem solchen Potpourri von Nummern taugen wird, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Etwas mehr Ruhe wäre uns jedenfalls zu gönnen.

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Ein satirischer Jahresrückblick 

Der beliebte, wilde und vielfältige Bundesordner – eine Produktion des Casinotheater Winterthur – ist wieder zu Gast in Olten. Am Freitag, 29. Januar 2027 seziert ein wechselndes Ensemble aus Kabarettistinnen und Kabarettisten mit und ohne Instrumente das vergangene Jahr. In Einzel- und Gruppenauftritten werden bemerkenswerte Ereignisse satirisch aufgearbeitet, um sie korrekt im Bundesordner ad acta zu legen.

Im Jahr 2026 blickt der Bundesordner wie immer satirisch auf die Schlagzeilen, Aufreger und Absurditäten der letzten zwölf Monate zurück – und bringt dabei Licht in die Finsternis. Dieses Mal führt der Jahresrückblick von sterbenden Walen als Feelgood-Event über Infantinos Wunsch nach einem massigen Spektakel bis zur grössten WM aller Zeiten beim angeblich grössten Friedensstifter der Gegenwart. 

Auf dem Weg dahin streift der Bundesordner Bomben auf Ölfeldern, eine Schweiz, die die Serafe nicht halbiert, dafür aber ihr Volk spaltet, das finster dreinblickende SVP-Sünneli über den Städten und eine Sonnenfinsternis, die weit über zehn Millionen Menschen begeistert. Nicht nur die Sonne entdeckt the Dark Side of the Moon: Auch der Mensch umrundet ihn, während an der Winter-Olympiade 23 Medaillen abgestaubt werden. Apropos Gold: Die Schweiz ist nur deshalb neutral, weil sie nicht weiss, auf welcher Seite Chuck Norris steht. Leider ist dieser im März verstorben – sonst hätte er den Wal bestimmt eigenhändig zurück ins Meer getragen. 

Einmal mehr schauen die Kabarettist:innen, Liedermacher:innen und Wortakrobat:innen mit scharfem Blick und viel Spielfreude zurück auf das Jahr – und garantieren Einsichten, die es in sich haben. 

Mitwirkende 

Von und mit: Anet Corti, Dominik Muheim, Fine Degen, Jane Mumford, Jess Jochimsen, Jovana Nikic, Lisa Christ, Pascal Dussex, Resli Burri 

Regie: Fabienne Hadorn
Produktion: Casinotheater Winterthur 

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