Oltner Kabarett-Tage - Blog http://www.kabarett.ch/ Aktuelle Informationen Sat, 20 Mai 2017 12:00:00 +0200 Die Laudatio von Alfred Dorfer http://www.kabarett.ch/index.asp?inc=blog/index.asp&typ=Nav1&cat=4&ID=91 <img src="/images/blog/91_830CB32AA00A462986D17B2FF5DAAE1D.jpg" border="0"><p style="font:normal 11px Tahoma, Arial, sans-serif;"><p><strong>Auf <a href="https://www.facebook.com/christophsieber.kabarettist/posts/1533891756621126" target="_blank">Facebook</a> schrieb der diesj&#228;hrige Gewinner Christoph Sieber:</strong><br /></p><p><strong><em>In der vergangenen Woche durfte ich den Schweizer Kabarettpreis CORNICHON 2017 entgegennehmen. Ich bin sehr dankbar &#252;ber den Preis und die Laudatio vom gro&#223;artigen Alfred Dorfer, die ich hier in voller L&#228;nge anf&#252;ge.<br />Danke, lieber Alfred, f&#252;r diese Worte. So was w&#228;re im Leben nicht &#252;ber mich eingefallen&#8230;.</em></strong> <br /></p><p>Christoph Sieber ist Deutscher, der Preis ist schweizerisch, der Laudator ist aus &#214;sterreich. Das klingt ziemlich international. Man k&#246;nnte auch sagen, das ist typisch, der Deutsche spricht, der &#214;sterreicher buckelt und die Schweiz zahlt. Doch so einfach ist es nicht. Gute Satire beginnt zwar oft mit Klischees, endet aber nicht damit. Und der diesj&#228;hrige Preistr&#228;ger ist ein hervorragendes Beispiel daf&#252;r. &#171;Als Kabarettist bin ich ein Beschreiber der Zeit, jemand, der aufzeigt, was passiert und warum es passiert.&#187; Manche w&#252;rden das aufkl&#228;rerisch nennen, im besten Sinnen nat&#252;rlich. F&#252;r mich ist das die Essenz unseres Berufs verkn&#252;pft mit der kindlichen Hoffnung, Dinge im Kleinen in Bewegung zu setzen.</p><p>Eine andere gro&#223;e Qualit&#228;t seiner Arbeit ist auch, sich selbst nicht heraus zu stellen aus den Missst&#228;nden. Kein Besser-Seier zu sein und uns nicht zu langweilen mit moralischen Stehs&#228;tzen oder ideologischen Attit&#252;den. &#171;Ich finde es auch erm&#252;dend, immer wieder &#252;ber Fremdenhass zu reden.&#187; hat er einmal gesagt. Christoph beweist, dass Haltung nicht notwendigerweise verkrampft und ohne Selbstdistanz sein muss. &#171;...aber wir m&#252;ssen im Umgang mit solchen Themen eine gewisse Gelassenheit rein bekommen.&#187; Das ist der richtige Begriff, eben diese Gelassenheit, die das Ganze f&#252;rs Publikum so leicht aussehen l&#228;sst. Es muss fast der Eindruck in der Zuh&#246;rerschaft entstehen: &#171;Das k&#246;nnte ich auch!&#187; Was nat&#252;rlich ein fataler Irrtum ist. Aber das ist die spezifische Qualit&#228;t dieser Kunstform.</p><p>Christophs Stil ist solit&#228;r. Er ist brillant, immer famos wechselnd zwischen reiner Satire, Poesie und Sequenzen, die das Lachen verunm&#246;glichen. Au&#223;er es ist ein Lachen der Scham. Man k&#246;nnte auch sagen, er kennt die Gegner von innen sozusagen, denn er ist der Sohn eines B&#252;rgermeisters. Doch er hat nat&#252;rlich l&#228;ngst begriffen, dass die Zeichen der Zeit l&#228;ngst nicht mehr bedeuten, politische Proponenten zum Hauptobjekt der Satire zu machen. Sein Kabarett ist modern, aktuell im besten Sinne.</p><p>Was mir auch besonders gef&#228;llt an ihm ist, dass er den Begriff &#171;B&#252;hne&#187; verstanden hat und lebt. Das hei&#223;t, er wei&#223;, dass er sich hier in einem Raum bewegt mit besonderen Gesetzen. Seine Performance ist theatralisch im besten Sinne.<br /></p><p>Das unterscheidet ihn wohltuend von vielen Kollegen, die im Schwei&#223;e unseres Angesichts auf den Brettern stehen und dort sichtbar nicht zu Hause sind. Das aber nicht wissen. Christoph hat eine Pantomimeausbildung, er ist also nicht, wie die meisten Autodidakt. Er kann mit einer kleinen Geste mit einem Blick ganze Welten erschaffen und das halte ich f&#252;r wirklich gro&#223;e Klasse. </p><p>Und schlie&#223;lich muss auch gesagt werden, was f&#252;r Sie als Publikum vermutlich nicht so relevant ist, f&#252;r mich schon: Christoph Sieber ist ein sympathischer, sehr humorvoller Mensch. Und auch das ist in dieser Branche nicht selbstverst&#228;ndlich. Denn sie w&#252;rden nicht annehmen, wie viele humorlose Satiriker es gibt, die im Privaten langweiliger sind als jene, die sie kritisieren.</p>Schlie&#223;lich muss eines klar sein. Man kann ihm in wenigen Minuten nat&#252;rlich nicht gerecht werden. Ich freue mich aufrichtig, dass er diesen Preis erh&#228;lt, er ist mehr als w&#252;rdig. Ich freue mich auch, dass ich das alles, was ich jetzt gesagt habe, ehrlich meine. Und ich nicht &#252;ber Geb&#252;hr h&#246;flich sein muss.<br /><br />Der Cornichon 2017 geht an einen wirklich gro&#223;en Kollegen, Christoph Sieber.<br /></p> Die Laudatio von Alfred Dorfer Tue, 14 Mar 2017 08:00:00 +0200 Gebt uns Saures http://www.kabarett.ch/index.asp?inc=blog/index.asp&typ=Nav1&cat=4&ID=79 <img src="/images/blog/79_44CA0327B5354988B3263EE45F438303.jpg" border="0"><p style="font:normal 11px Tahoma, Arial, sans-serif;"><p><strong>Ansprache von Peter Gomm, Regierungsrat des Kantons Solothurn, zur Er&#246;ffnung des Quai Cornichon vom 11. M&#228;rz 2017 in Olten</strong></p><p>Der Pr&#228;sident des Programmausschusses hat mich gebeten, etwas dazu zu sagen, was Satire darf oder soll, und ob es sie heute u&#776;berhaupt noch braucht. Er hat bei mir also 1. eine Vorlesung und 2. eine Lagebeurteilung bestellt.</p><h3>1. Die Vorlesung:</h3><p><strong>Zur Definition von Satire:</strong><br />Satire ist eine Kunstform, mit der Zust&#228;nde, Ereignisse oder Personen kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typisches Stilmittel der Satire ist die &#220;bertreibung.</p><p><strong>Zur Kunstform:</strong><br />Es ist nicht von Bedeutung, ob der Ku&#776;nstler oder die Ku&#776;nstlerin eine Glatze, einen geschniegelten Scheitel, lange Haare oder einfach eine besondere Frisur tr&#228;gt. Die Frisur hat an und fu&#776;r sich noch nichts damit zu tun, welche Worte, S&#228;tze, oder gar ganze Texte vorgetragen werden. Der &#228;ussere Eindruck, mit dem das Vorgetragene mimisch, gestikulierend oder in steifer K&#246;rperhaltung untermalt wird, kann aber einen grossen Einfluss darauf haben, ob die Satire als solche erkannt wird. Mit anderen Worten: vorzugsweise ist die &#220;bertreibung bereits im Gesagten zu erkennen. Das Gesagte ist schon Kunst. Andernfalls ist die &#220;bertreibung nur in der Art und Weise des Auftritts zu erkennen. Im besten Fall ist das ein Schwank. Im schlechtesten eine Farce.</p><strong>Zur Politikform:</strong><br /><p>Es ist nicht von Bedeutung, ob der Politiker oder die Politikerin einen Rossschwanz, Dauerwellen, eine F&#246;hntolle, ein Toupet, einen Bu&#776;rstenschnitt, eine Glatze oder ein &#8222;Bu&#776;rzi&#8220; tr&#228;gt. Die Frisur hat an und fu&#776;r sich noch nichts damit zu tun, welche Worte, S&#228;tze oder gar ganze Texte vorgetragen werden. Der &#228;ussere Eindruck, mit dem das Vorgetragene mimisch, gestikulierend, oder in steifer K&#246;rperhaltung untermalt wird, kann aber einen grossen Einfluss darauf haben, ob die Politik als solche erkannt wird. Mit anderen Worten: vorzugsweise ist die Bedeutung bereits im Gesagten zu erkennen. Das Gesagte ist schon Politik. Andernfalls ist in der Art und Weise des Auftritts nur &#220;bertreibung zu erkennen. Im besten Fall ist das Pose. Im schlechtesten eine Posse.</p><p><strong>Was darf Satire? </strong>Satire darf fast alles, solange sie als Satire erkennbar ist. Sie darf zum Beispiel Rether, Schramm, Uthoff, Kishon, Borowiak, Dorfer oder Tucholsky. Sie darf gerade noch Thiel, aber nicht immer B&#246;hmermann. Vor dem Straftatbestand der Beschimpfung oder Ehrverletzung sind halt alle gleich. Allerdings darf man von Politikerinnen und Politikern auch erwarten, dass sie etwas gelassener damit umgehen. Beleidigte Leberwurst ist nicht das Menu der Wahl.</p><strong>Was darf Politik?</strong> Sie darf vieles, solange sie als Politik erkennbar ist. Sie darf zum Beispiel Leuthard, Berset, Sommaruga, Maurer, Schneider-Ammann, Bodenmann, Blocher, K&#246;ppel, Fluri, Jositsch oder Widmer-Schlumpf. Sie hat bis jetzt auch Freysinger gedurft. Bis jetzt. N&#228;heres weiss man am n&#228;chsten Wochenende. Die Frage ist manchmal n&#228;mlich auch, ob das Publikum von der Vorstellung genug hat. Das ist meistens dann der Fall, wenn es die Sache nicht mehr lustig findet. Das gilt jedenfalls in der Demokratie. Die &#220;bertreibung ist das Privileg der Satire, nicht der Politik.<br /><br /><h3>2. Die aktuelle Lagebeurteilung</h3><p>Politik ist zum Beispiel, wenn alle vier Jahre fu&#776;r drei bis vier Wochen einzelne Wahlplakate zu gewichtigen Wahlen an den Strassenr&#228;ndern stehen. Satire ist, wenn so viele Wahlplakate mit so vielen Kandidierenden an den Strassenr&#228;ndern stehen oder gu&#776;tig von Kandelabern der Bev&#246;lkerung zuzwinkern, dass die W&#228;hlenden keine Ahnung mehr haben, wer fu&#776;r was kandidiert.</p><p>Etwas Ordnung k&#246;nnte hier beim n&#228;chsten Mal ein von der Staatskanzlei herausgegebener Panini-Sammelband schaffen. Anstelle von Wahlprospekten k&#246;nnten einklebbare Bildli in P&#228;ckli abgegeben werden. Sch&#246;n nach Parteien getrennt. Damit alles seine Ordnung hat. Man k&#246;nnte die Bildb&#228;ndli so auch zuhause an einem sch&#246;nen Ort aufbewahren. Das w&#228;re nachhaltig. Meistens k&#246;nnte man die gleichen Bildli alle vier Jahre noch ein oder zwei Mal brauchen. Beim vierten Mal sind sie h&#228;ufig noch nicht verblichen, aber doch schon etwas abgewetzt. Je nach Qualit&#228;t aber immer noch zu gebrauchen.</p><p>Ob man in Zukunft dann auch die sich schon heute im Umlauf befindenden Panini-Bildli auf den Frontseiten der Zeitungen oben rechts ausschneiden und ins Sammelheft einkleben k&#246;nnte, das man beim W&#228;hlen abgibt, glaube ich jetzt eher nicht. H&#228;ufig steht dort noch allerlei Zeugs drauf, mit dem die Kandidatinnen und Kandidaten gestempelt werden. Stempeln darf die Stimmzettel nur das Wahlbu&#776;ro. Die Stimme w&#228;re sonst ungu&#776;ltig.</p>Noch viel moderner w&#228;re eine WahlApp mit Pers&#246;nlichkeitsprofilen fu&#776;r Smartphones. So etwas, wie ein &#171;Wahl-Tinder&#187; zum Beispiel.<br /><p><em>(Sie haben nicht gelacht. Das ehrt Sie. Sie kennen diese Dating-App offenbar nicht).</em></p><p><em></em>Fu&#776;r Kandidatinnen und Kandidaten mit bescheidenem Narzissmus w&#228;re dann die doch eher erniedrigende Ausstellung an den Strassenr&#228;ndern nicht mehr n&#246;tig. Es w&#228;re alles viel einfacher. Mit der App k&#246;nnten viele pers&#246;nliche Kontakte zwischen W&#228;hlerinnen und W&#228;hlern und Kandidierenden geschaffen werden. Die Kontakte k&#246;nnten auch ins Kontaktverzeichnis von WhatsApp, Twitter, Messenger oder vielen anderen Anwendungen u&#776;bertragen werden. Man will ja schliesslich wissen, mit wem man es zu tun hat. Voraussetzung mu&#776;sste allerdings sein, dass dort die Kommentarfunktion deaktiviert ist. Konversation, ja. Aber Kommentare, nein. Wegen der Shitstorms. Die will man auf keinen Fall.</p><p>Die App k&#246;nnte zukunftsweisend gar &#8222;e-Voting-unterstu&#776;tzt&#8220; sein. Bei einem &#8222;Match&#8220; einfach u&#776;ber die Oberfl&#228;che des Smartphones streicheln, oder einfach streichen. Schon ist die Stimme abgegeben. Bei den Wahlen ins Kantonsparlament zweimal streichen und schon ist panaschiert. Eine solche App h&#228;tte im Gegensatz zum aktuellen System wirklich etwas Liebevolles. Streichen wird heute als gar nicht nett empfunden.</p><h3>3. Schluss</h3><p>Satire ist eine Kunstform, mit der Zust&#228;nde, Ereignisse oder Personen kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typisches Stilmittel der Satire ist die &#220;bertreibung. Du&#776;rfen Politiker Satire? Nicht wirklich. Ironie und Satire sind verboten. Die Menschen wollen ernst genommen werden. Du&#776;rfen Satiriker Satire u&#776;ber Politiker. Unbedingt. Es liegt im Wesen der Satire, dass die &#220;bertreibenden in jede Richtung mit markigem Stift gezeichnet oder spitzer Feder beschrieben werden. Das tut nicht nur dem Zwerchfell, sondern auch der Politik gut. Und gar alles, wirklich alles, muss man ja auch nicht immer so ernst nehmen. Sich selbst zum Beispiel. Auch als Politiker. Selbstironie ist fu&#776;r uns ausdru&#776;cklich erlaubt, wenn nicht gar erwu&#776;nscht.</p><p>Ob es Satire braucht? Welche Frage. Auf jeden Fall. Ich wu&#776;nsche den Oltner Kabaretttagen noch viele j&#228;hrliche Ausgaben und damit auch viele Cornichons. </p><p>Gebt uns Saures! </p><br /><br><a href="http://www.kabarett.ch/index.asp?inc=blog/index.asp&amp;ID=79">1 Kommentare</a></p> Gebt uns Saures Fri, 10 Mar 2017 08:00:00 +0200 Christoph Sieber gewinnt Cornichon 2017 http://www.kabarett.ch/index.asp?inc=blog/index.asp&typ=Nav1&cat=4&ID=78 <img src="/images/blog/78_6B209B8DDB604A1EA7B33A464246E4B7.jpg" border="0"><p style="font:normal 11px Tahoma, Arial, sans-serif;"><p> Angriffig und temporeich, politisch wutentbrannt und trotzdem charismatisch: Christoph Sieber gewinnt den Schweizer Kabarett-Preis Cornichon 2017. </p><p>Der geb&#252;rtige Schwabe begeistert auf der B&#252;hne wie im Fernsehen (&#171;Sp&#228;tschicht&#187; auf SWR, aktuell &#171;Mann, Sieber!&#187; im ZDF) eine grosse Fan-Gemeinde mit bissigstem Polit-Kabarett und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. In Olten zeigt Sieber sein bisher f&#252;nftes Soloprogramm: &#171;Hoffnungslos optimistisch&#187;. </p><p>Der 47-J&#228;hrige ist ausgebildeter Schauspieler und Pantomime, seine B&#252;hnenst&#252;cke zeichnen sich aus durch eine raumgreifende Pr&#228;senz, brillante Sprache und packende Gestik. Sieber f&#252;hrt sein Publikum in ein grossartig inszeniertes Wechselbad der Gef&#252;hle, in Sekundenschnelle kippen beklemmende Anklagen in hinreissend komische Akzente, Elemente der Comedy werden gekonnt mit tiefgr&#252;ndiger Satire verquirlt. Sei es sprechend, tanzend, singend, jonglierend: Christoph Sieber kreiert eine fesselnde Dramaturgie der Gesellschafts- und Politkritik, die in ihrer Glaubw&#252;rdigkeit und aktuellen Dringlichkeit seinesgleichen sucht. </p><br /></p> Christoph Sieber gewinnt Cornichon 2017